Wenn Hundehalter das erste Mal bei mir sind, sagen sie mir manchmal, dass sie nicht mit Leckerchen belohnen wollen. Das ist zunächst mal ein völlig legitimer Wunsch. Trotzdem hake ich natürlich nochmal nach und frage nach dem Grund.
Meist geht es darum, dass sie Angst haben, ihr Hund könnte zu viel zunehmen. Oder es kommt der Einwand: Wenn ich immer nur mit Leckerchen belohne, bin ich für meinen Hund doch nur ein Futterspender – er baut gar keine Beziehung zu mir auf. Oder, auch gern genommen: Mein Hund soll nicht für Futter arbeiten, sondern weil er mich so lieb hat.
Wenn du ähnliche Einwände gegen das Leckerchen hast, dann bleib einfach dran.
Warum will ich meinen Hund überhaupt belohnen?
Wenn du deinem Hund ein bestimmtes Verhalten beibringen möchtest – sei es Sitz, sei es Platz, irgendein Trick oder Leinenführigkeit –, dann kannst du das auf zwei verschiedenen Wegen machen: mit positiver Verstärkung oder mit negativer Verstärkung.
Verstärkung heißt in beiden Fällen: aufbauen, intensivieren. Ich möchte also ein erwünschtes Verhalten verstärken.
Bei der negativen Verstärkung übe ich so lange Druck auf den Hund aus, bis er das erwünschte Verhalten zeigt. Negativ bedeutet hier nicht unbedingt etwas Schlimmes – es bedeutet schlicht: etwas wegnehmen, einen Reiz entziehen. Der Klassiker ist leider immer noch: Ich drücke den Hintern meines Hundes so lange runter, bis er endlich Sitz macht. Sobald er sitzt, höre ich auf zu drücken. Ich nehme den Druck weg.
Das darfst du übrigens nicht mit einer Korrektur verwechseln – dazu gibt es auf meinem Kanal eine eigene Reihe. Heute geht es rein ums Belohnen.
Die zweite Variante ist die positive Verstärkung – und das ist die Methode, mit der ich ausschließlich arbeite. Ein erwünschtes Verhalten wird belohnt, damit der Hund es gerne wieder zeigt. Er soll lernen: Es lohnt sich, das zu machen, was mein Mensch sagt. Und positiv bedeutet hier ebenfalls nicht unbedingt etwas Schönes – es bedeutet nur: etwas hinzufügen.
Welche Arten von Belohnungen gibt es?
Damit es bei deinem Hund auch wirklich als Belohnung ankommt, muss es irgendetwas sein, das er mag. Vier Möglichkeiten hast du:
- Streicheln – die meisten Hunde mögen es, von ihrem Menschen gestreichelt zu werden.
- Bewegung – wer hat nicht die unbändige Freude im Gesicht seines Hundes gesehen, wenn er mal rennen darf?
- Spiel – fast alle Hunde lieben es zu spielen, da gibt es wirklich nur sehr wenige Ausnahmen.
- Das Leckerchen – jeder Hund mag Futter, und fast jeder nimmt sehr gerne Leckerchen an.
Wann passt welche Belohnung?
Sicher ist dir schon aufgefallen: Nicht jede Belohnung funktioniert in jeder Situation.
Streicheln ist aus Hundesicht Fellpflege. Es sorgt dafür, dass dein Hund runterfährt. Das funktioniert gut, wenn er lernen soll, ruhig neben dir zu sitzen. Es funktioniert allerdings auf keinen Fall, wenn du ein aufregendes Spiel wie Apportieren trainieren willst.
Dort passt ein Spiel als Belohnung: Du belohnst deinen Hund dafür, dass er den Gegenstand gut zurückgebracht hat – indem du ihn einfach noch mal wirfst, oder indem ihr ein Zerrspiel macht. Ein Spiel passt immer dann, wenn es nicht auf Ruhe ankommt, sondern Dynamik und Action gefragt sind.
Bewegung als Belohnung geht meist mit einem Spiel einher. Du kannst einen Ball werfen, oder du spielst direkt mit ihm – auf Augenhöhe, so wie man mit einem kleinen Kind spielt. Du deutest an, ihn fangen zu wollen, er läuft weg, du hinterher – und dann dreht ihr die Rollen um. Das passt gut nach einer schwierigen Übung oder zum Abschluss des Trainings.
Und nicht irgendein schnödes Allerweltsleckerchen, sondern natürlich ein Super-Duper-Leckerchen. Aber dazu gibt es mehr im Video über den Rückruf hier auf dem Kanal.
Das Leckerchen ist schlicht universell einsetzbar. Wo es bei den anderen Belohnungsformen Einschränkungen gibt, kann ich Futter uneingeschränkt nutzen. Sitz, Platz, Bleib, Tricks, Apportieren, Hoopers, Agility – es gibt kein Verhalten, das ich nicht mit einem Leckerchen aufbauen kann. Ein Hoch auf das Leckerchen.
Kann ich einen Hund trainieren, ohne Leckerchen zu benutzen? Ja, selbstverständlich – das geht. Aber wenn ich Futter als Belohnung nehme, mache ich mir das Leben so viel einfacher.
Zusammenfassung
- Es gibt zwei Wege, ein Verhalten aufzubauen: positive und negative Verstärkung. Ich arbeite ausschließlich mit positiver Verstärkung.
- Belohnungen gibt es in vier Formen: Streicheln, Bewegung, Spiel und Leckerchen.
- Nicht jede Belohnung passt in jede Situation – das Leckerchen ist die einzige, die wirklich überall funktioniert.
- Wie eine Belohnung ablaufen sollte und was Bestechung ist, erfährst du in Teil 2.
- Training braucht Zeit. Leg Pausen ein, verlang nicht zu viel auf einmal – und hör immer mit einem Erfolg auf.
Das Video zum Artikel – schau dir an, wie das in der Praxis aussieht. Und abonniere den Kanal, damit du kein Video verpasst.
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