Was war das erste Signal, das du deinem Hund beigebracht hast?
Höchstwahrscheinlich war es „Sitz". Kann das sein?
Die meisten Hundehalter bringen ihrem Hund als erstes das Sitz bei. Warum das so ist? Keine Ahnung. Ich weiß es wirklich nicht. Sitz gehört meiner Meinung nach jedenfalls nicht zu den wichtigsten Signalen, die ein Hund können muss.
Was aber auf jeden Fall dazu gehört – oder zumindest zu den nützlichsten Signalen überhaupt – ist das Signal Decke.
In diesem Artikel erkläre ich, was es damit auf sich hat, warum es so nützlich sein kann und wie du es deinem Hund beibringst. Wir gehen dabei drei Schritte durch: den Hund auf die Decke bringen, aus Bestechung eine echte Belohnung machen – und schließlich das Bleiben auf der Decke trainieren.
Warum ist das Signal Decke so wichtig?
Weil es Situationen gibt – und du hast mit Sicherheit schon einige davon erlebt – in denen es einfach notwendig ist, deinen Hund zur Ruhe zu zwingen.
Zwingen – huuh – ein böses Wort.
Doch, genau so ist es. Du musst deinen Hund manchmal zur Ruhe zwingen.
Wenn du zum Beispiel mit deinem Hund einen anstrengenden Tag hattest. Viel Programm, viel Input. Dann kann es passieren, dass dein Hund alleine nicht mehr runterkommen kann. Er ist so aufgedreht, dass er durch die Wohnung rennt, herumspringt und hechelt – als wär er auf Speed.
Wenn er jetzt gelernt hat, auf seine Liegestelle zu gehen und dort zu bleiben, bis du es ihm erlaubst, hilft ihm das, sich wieder zu beruhigen. Nach kurzer Zeit wird er resignieren. Er wird feststellen: Wenn hier sowieso nichts geht – dann schlaf ich halt. Und das ist gut so.
Es gibt noch viele weitere Situationen, in denen das Signal Decke richtig nützlich ist. Du kannst deinen Hund damit fixieren, ohne ihn anbinden zu müssen. Denk an einen Restaurantbesuch. Du schickst ihn auf seine Liegestelle – und kannst dein Essen in Ruhe genießen, ohne ständig zu schauen, wo er gerade steckt.
Du kannst damit hektische Situationen entschärfen. Denk an den Briefträger, der gerade klingelt. Statt deinen Hund zu korrigieren, schickst du ihn einfach auf die Decke – und hast damit eine alternative Handlung, bevor die Situation überhaupt eskaliert.
Und in der Hundeschule ist Decke das erste Signal, das ich mit jedem Welpen trainiere. Nicht Sitz – Decke. Genau deshalb.
Schritt 1: Den Hund auf die Decke bringen
Dein Hund weiß noch nicht, was das Wort „Decke" bedeuten soll. Er hat keine Ahnung. Also musst du ihn erstmal dorthin bringen – und das machst du mit Bestechung.
Bestechung bedeutet: Du gibst deinem Hund schon vorab die Aussicht auf das, was ihn erwartet, wenn er tut, was du von ihm verlangst. Du stehst also dicht an der Liegestelle, nimmst ein Leckerchen in die Hand, dockst deinen Hund daran an – du hältst es ihm dicht an die Nase – und ziehst ihn damit auf die Decke.
Wenn der ganze Hund auf der Decke ist – alle vier Pfoten drauf – läuft die Sequenz in genau dieser Reihenfolge ab:
Nach dem Freisignal soll dein Hund wieder von der Liegestelle runtergehen, damit du die Übung wiederholen kannst. Und das ist manchmal ganz schön tricky, weil er einfach sitzen bleibt und auf sein nächstes Leckerchen wartet.
Falls das nicht klappt, kannst du ein Leckerchen ohne Kommentar in eine andere Richtung werfen. Er steht auf, holt es sich – fertig. In der Regel brauchen Hunde drei bis vier Wiederholungen, bis sie den Bewegungsablauf verstanden haben.
Sicher fragst du dich gerade, warum das Signalwort erst gesagt wird, wenn dein Hund schon auf der Decke ist. Der Grund: Du möchtest das Verhalten erst mit dem Signalwort verknüpfen. Dein Hund soll lernen: „Das, was ich hier gerade tue – das scheint wohl das zu sein, was mein Mensch immer Decke nennt." Mit der Zeit wandert das Signalwort immer weiter nach vorne, bis dein Hund auf seine Liegestelle geht, sobald du das Wort sagst.
Schritt 2: Aus Bestechung wird Belohnung
Sobald dein Hund dem Leckerchen flüssig folgt – wenn du also merkst, du schaffst es schon recht leicht, ihn auf die Decke zu ziehen – machst du aus der Bestechung eine Belohnung.
Warum das wichtig ist: Dein Hund lernt aus Bestechung nicht allzu viel. Er hat buchstäblich Scheuklappen auf. Er sieht, hört und riecht nur noch das Leckerchen vor seiner Nase – und was um ihn herum passiert, bekommt er kaum mit. Das ist nicht, was du willst. Dein Hund soll ja auch dein Signalwort und deine Handzeichen wahrnehmen.
Also: Ab jetzt hast du nichts mehr in der Hand.
Du ziehst ihn mit der leeren Hand auf die Decke. Er folgt ihr trotzdem – weil er gelernt hat: da war immer was drin. Wenn er auf der Decke ist, sagst du dein Lobwort – und erst dann geht die Hand in die Tasche, holt ein Leckerchen raus und gibt es ihm.
Er wird stutzen. Er wird die leere Hand sehen, beobachten wie sie in die Tasche geht und ein Leckerchen herausholt – und feststellen: Gar nicht schlimm, dass da nichts drin war. Ich bekomme mein Leckerchen ja trotzdem.
Du hast aus der Bestechung eine Belohnung gemacht. Und das ist der Moment, in dem echtes Lernen anfängt.
Schritt 3: Das Bleiben trainieren
Bei der Decke gibt es zwei erwünschte Verhalten. Das erste haben wir trainiert: Raufgehen. Das zweite ist: Faul auf der Decke rumliegen und mal gar nichts tun. Ab jetzt wird also Faulsein belohnt.
Du schickst deinen Hund auf die Decke, er kommt an, du sagst dein Lobwort und gibst ihm sein Leckerchen – und dann wartest du einfach ein paar Sekunden. Kein Freisignal. Du wartest. Vielleicht drei Sekunden. Dann wieder Lobwort – Leckerchen. Nochmal ein paar Sekunden. Nochmal Lobwort – Leckerchen. Und erst jetzt kommt das Freisignal.
Jetzt steigerst du schrittweise – sowohl die Zeit als auch die Distanz. Die Regel dabei ist einfach: Du trainierst immer das, was dein Hund gerade eben so schafft – bis er es sicher schafft. Erst dann erhöhst du die Schwierigkeit.
Wenn dein Hund zum Beispiel nach 30 Sekunden von der Decke aufsteht, dann gehst du das nächste Mal nach 29 Sekunden zu ihm und belohnst ihn. 29 Sekunden schafft er. 30 noch nicht. Genauso mit der Distanz: anfangs direkt neben der Liegestelle, dann einen halben Meter, dann einen Meter, dann zwei.
Was tun, wenn er ohne Freisignal aufsteht?
Das wird am Anfang sicher öfter passieren. Wenn dein Hund von der Decke aufgestanden ist, ohne dass du das Freisignal gegeben hast, schickst du ihn einfach wieder zurück auf seine Liegestelle.
Was Korrekturen grundsätzlich bedeuten, wie du sie richtig abstufst und wann du dir eine Korrektur überhaupt erst verdient hast – das ist ein eigenes Thema, dem ich auf meinem YouTube-Kanal eine eigene Videoreihe gewidmet habe.
Zusammenfassung
- Du fängst mit Bestechung an – ein Leckerchen in der Hand führt den Hund auf die Decke.
- Sobald er flüssig folgt, machst du aus der Bestechung eine Belohnung: leere Hand, Leckerchen aus der Tasche.
- Dann trainierst du das Bleiben – erst Zeit, dann Distanz, immer nur so weit wie dein Hund es gerade schafft.
- Bei der Decke gibt es zwei erwünschte Verhalten: Raufgehen und Dableiben. Beide werden belohnt.
- Training braucht Zeit. Leg Pausen ein. Immer mit einem Erfolg aufhören.
Das Video zum Artikel – schau dir an, wie das Training in der Praxis aussieht. Und abonniere den Kanal, damit du kein Video verpasst.
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