Ich hab jahrelang gedacht, „sich lösen" heißt urinieren. Bis mich eine Jägerin mit ihrem Dackel eines Besseren belehrt hat.


Warum wir so viele Wörter dafür haben

Fangen wir mit der Begriffsverwirrung an, die mich selbst überrascht hat. Ich dachte lange, „sich lösen" wäre einfach ein netterer Ausdruck fürs Urinieren. Bis eine Jägerin mit ihrem Dackel bei mir im Training war und den Begriff ganz selbstverständlich anders benutzte.

Und tatsächlich: „Lösen" kommt aus der Jägersprache, von „Losung" – und Losung bezeichnet dort den Kot von Wild und Hunden. Sich lösen heißt also eigentlich koten, nicht urinieren. Fürs Urinieren gibt es in derselben Jägersprache übrigens einen eigenen Begriff: „nässen".

Wir Menschen haben für solche Themen offenbar besonders viele Wörter – wahrscheinlich, weil es uns unangenehm ist, einfach „kacken" oder „pinkeln" zu sagen. Ich selbst sage im Alltag zum Beispiel gerne verniedlichend „Käckerchen machen". Aber wenn's ums Training geht, will ich lieber fachlich sauber bleiben. Deshalb sprechen wir heute ganz bewusst vom Lösen.


Warum die Suche manchmal ewig dauert

Vielleicht kennst du das: Dein Hund läuft minutenlang schnüffelnd umher, bevor er sich endlich löst. Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen, wobei die Forschung hier größtenteils auf Beobachtungen beruht, nicht auf kontrollierten Experimenten.

Zum einen sammelt dein Hund dabei vermutlich Geruchsinformationen – er schnüffelt die Markierungen anderer Hunde ab, bevor er entscheidet, ob und wo er selbst etwas hinterlässt. Zum anderen ist Koten für Hunde eine körperlich verletzliche Position, ähnlich wie für ihre wilden Verwandten – die Suche nach einer überschaubaren, geschützten Stelle könnte also schlicht ein Sicherheitsbedürfnis sein.

Eine besonders ungewöhnliche Erklärung: Die Zoologin Sabine Begall hat anhand von mehreren tausend Beobachtungen einen Zusammenhang zwischen dem Erdmagnetfeld und der Körperausrichtung von Hunden beim Lösen gefunden – die Tiere scheinen sich bevorzugt in Nord-Süd-Richtung auszurichten. Für diese Arbeit gab es sogar den Ig-Nobelpreis. Auch das bleibt aber eine Korrelation aus Beobachtungsdaten, kein bewiesener Mechanismus.

Das Signalwort aufbauen

Anders als bei den meisten Signalen, die wir sonst hier im Kanal besprechen, arbeite ich hier weder mit Bestechung noch mit klassischem Shaping. Stattdessen setze ich auf eine Technik, die man Capturing nennt: Ich warte einfach ab, bis mein Hund von sich aus mit dem Lösen beginnt – und sage in genau diesem Moment konsequent mein Signalwort. Bei mir ist das „Pieschern". Ich greife also nicht ein und forme nichts – ich benenne nur ein Verhalten, das ohnehin gerade passiert.

Machst du das oft genug, verbindet dein Hund das Wort irgendwann mit der Tätigkeit selbst. Ein Hund, dessen Darm gerade leer ist, kann durch das Wort natürlich trotzdem nicht plötzlich koten – aber ich habe bei beiden meiner Hunde den Eindruck, dass das Geschäft dann etwas schneller erledigt ist, sobald sie das Wort hören. Ob das wirklich so ist oder ich mir das nur einbilde, kann ich ehrlich gesagt nicht mit Sicherheit sagen. Schaden kann der Versuch aber sicher nicht.

Praktisch nützlich ist das zum Beispiel bei einer Fahrtpause auf der Raststätte: Wenn du wenig Zeit hast und dein Hund lange sucht, kann das Signalwort das Ganze etwas beschleunigen.


Zusammenfassung

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je nach Hund.