Du gehst mit deinem Hund spazieren. Die Leine ist entspannt, dein Hund schnüffelt links und rechts, und du denkst: Eigentlich läuft das doch ganz gut. Und dann kommt euch ein anderer Hund entgegen – und plötzlich liegt die Leine wieder stramm.
Klingt das bekannt?
Hier fangen wir an, das Thema Leinenführigkeit wirklich von Grund auf zu verstehen. Wir gehen heute drei Dinge durch: was ich unter Fußlaufen verstehe und warum das etwas ganz anderes ist als das, was sich die meisten Hundehalter wünschen, warum „lockere Leine" kein trainierbares Verhalten ist – und warum es sich trotzdem lohnt, das Fußlaufen wirklich präzise aufzubauen.
Was sich die meisten Hundehalter wünschen – und warum es so nicht funktioniert
Wenn ich Kunden frage, was sie sich beim Spaziergang wünschen, bekomme ich meistens dieselbe Antwort: „Der Hund soll irgendwo laufen – die Leine soll nur möglichst nicht stramm werden."
Das klingt vernünftig. Das klingt sogar bescheiden. Das Problem ist nur: Dieses Verhalten kann man einem Hund schlicht nicht beibringen.
Stell dir vor, du hast heute die schwarze Lederleine dabei. Die ist zwei Meter lang. Dein Hund soll also selbst erkennen: Heute die schwarze Leine, zwei Meter, ich darf mich also 1,95 Meter entfernen – aber bitte nicht weiter. Morgen die blaue, fünf Meter. Zur Brut- und Setzzeit die Schleppleine, zehn Meter.
Das ist schlicht nicht lernbar. Das kann kein Hund. Nicht weil er zu dumm wäre – sondern weil man es ihm nicht beibringen kann. Denn alles, was ich trainieren möchte, muss ich auch präzise definieren können.
Nur was ich definieren kann, kann ich trainieren
Das ist ein Grundsatz, der sich durch mein gesamtes Training zieht.
Ein Sitz kann ich präzise definieren: Der Hintern des Hundes berührt den Boden. Fertig. Klar. Eindeutig. Ein Platz: Der Hund liegt. Auch klar.
Aber „lauf irgendwo, nur nicht zu weit weg und zieh nicht"? Das ist keine Definition. Das ist ein Wunsch. Und Wünsche kann man nicht trainieren.
Was ich aber trainieren kann, ist das Fußlaufen. Weil ich das Fußlaufen ganz genau definieren kann.
Was Fußlaufen wirklich bedeutet
Fußlaufen bedeutet für mich: Der Hund läuft exakt an der Seite seines Menschen. Die ideale Position ist, dass die Schulter des Hundes sich auf Höhe des Beins des Menschen befindet. Der Hund schnüffelt nicht. Der Hund markiert nicht. Seine Aufmerksamkeit ist beim Menschen.
Im Training 100 % – im Alltag 80 %
Das ist einer der wichtigsten Sätze, die ich in meinen Kursen sage – und ich sage ihn eigentlich bei jedem Training:
Was bedeutet das beim Fußlaufen? Im Training verlangst du, dass dein Hund exakt in der Fußposition läuft. Wenn du dann zum Bäcker gehst, „Fuß" sagst und dein Hund läuft halb schräg neben dir – wen interessiert das? Die Hauptsache ist, er ist neben dir.
Aber nur weil du im Training absolute Präzision verlangt hast, kann er dir im Alltag 80 % geben. Wenn du im Training nur 60 % verlangst, bekommst du im Alltag vielleicht 30 %.
Warum sich der Aufwand lohnt
Leinenführigkeit kann – genau wie die Decke oder ein Sitz – als alternatives Verhalten eingesetzt werden. In kritischen Situationen, in denen dein Hund eigentlich gerne reagieren würde – auf einen anderen Hund, auf einen Jogger –, kannst du ihm sagen: Fuß. Und dein Hund weiß dann: Ich habe gerade eine Aufgabe. Um den anderen Hund kümmert sich mein Mensch.
Das funktioniert aber nur, wenn das Fußlaufen wirklich sitzt. Und genau deshalb lohnt sich der Aufwand.
Zusammenfassung
- „Lockere Leine" ist kein trainierbares Verhalten – weil es sich nicht präzise definieren lässt.
- Fußlaufen hingegen ist klar definiert: Schulter des Hundes auf Höhe des Menschenbeins, Aufmerksamkeit beim Menschen.
- Im Training verlangst du 100 % – damit du im Alltag 80 % bekommst.
- Ein gut konditioniertes Fußlaufen kann als alternative Handlung in kritischen Situationen eingesetzt werden.
- Training braucht Zeit. Immer mit einem Erfolg aufhören.
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