In Teil 1 haben wir geklärt, was Fußlaufen wirklich bedeutet. In Teil 2 haben wir das Signal „Seite" aufgebaut, das Einparken. Falls du die ersten beiden Teile noch nicht gelesen hast, schau da unbedingt zuerst rein – hier bauen wir direkt darauf auf.

Heute fangen wir endlich an, das Fußlaufen selbst aufzubauen.


Der Aufbau in vier Schritten

Bevor wir anfangen, möchte ich dir kurz erklären, wie das Training aufgebaut ist. Denn es hilft enorm, wenn du weißt, wo du gerade stehst und wohin du als nächstes willst.

Das Fußlaufen baue ich in vier Schritten auf:

Der erste Schritt ist die Bestechung. Der Hund wird mit einem Leckerchen in der Hand in die Fußposition gezogen und lernt so, was von ihm verlangt wird.

Der zweite Schritt ist die Belohnung im Sitzen. Aus der Bestechung wird eine Belohnung – und der Hund lernt gleichzeitig, sich automatisch hinzusetzen, wenn sein Mensch stehen bleibt.

Der dritte Schritt ist die Belohnung im Laufen. Der Hund bekommt seine Belohnung nicht mehr beim Stopp, sondern während er läuft – das macht das Fußlaufen flüssiger und dynamischer.

Und der vierte Schritt sind die Korrekturen. Was zu tun ist, wenn der Hund die Fußposition verlässt.

Heute beschäftigen wir uns mit Schritt 1 und Schritt 2. Schritt 3 und 4 kommen in den nächsten Teilen.


Schritt 1: Die Bestechung

Der erste Schritt beginnt mit dem Signal „Seite" – dem Einparken. Du holst deinen Hund mit „Seite" an deine Seite. Wenn er neben dir sitzt, nimmst du sofort das nächste Leckerchen in die Hand und dockst deinen Hund daran an. Jetzt ziehst du ihn mit dem Leckerchen ein paar Schritte neben dir her. Nicht zu viele Schritte am Anfang – vielleicht drei, vielleicht fünf. Dann ziehst du ihn wieder ins Sitz und gibst ihm sein Leckerchen.

Ein Detail, das viele zunächst überrascht: Das Lobwort kommt nicht wenn der Hund sitzt – es kommt während er noch läuft. Du sagst dein Lobwort, während dein Hund noch in Bewegung neben dir ist, dann ziehst du ihn ins Sitz, und erst wenn er sitzt, bekommt er sein Leckerchen. Was wird hier also verstärkt? Das Laufen. Nicht das Sitzen.

Das Signal „Fuß" – das eigentliche Startsignal für das Fußlaufen – sagst du immer genau dann, wenn du deinen ersten Schritt machst. Nicht vorher, nicht nachher. Genau in dem Moment, in dem du losgehst, kommt das Signal. So lernt dein Hund: Wenn mein Mensch dieses Wort sagt und losgeht, laufe ich neben ihm her.


Der Hund setzt sich, wenn du stehst

Ich persönlich möchte, dass mein Hund sich automatisch hinsetzt, wenn ich stehen bleibe. Ohne dass ich dafür extra „Sitz" sagen muss.

Und genau das bringst du deinem Hund in diesem ersten Schritt bei – ganz nebenbei, ohne es extra zu trainieren. Denn da das Leckerchen immer erst dann gegeben wird, wenn dein Hund sitzt, verknüpft er sehr schnell zwei Dinge miteinander: Mein Mensch bleibt stehen – ich setze mich hin.

Das ist natürlich keine Pflicht. Ob dein Hund beim Stopp sitzen soll oder stehen bleiben darf, kannst du selbst entscheiden. Ich finde aber, dass ein sitzender Hund ein bisschen kontrollierbarer ist – denn es gibt eine natürliche Hürde, aus dem Sitzen aufzustehen.

Schritt 2: Von der Bestechung zur Belohnung

Und jetzt kommen wir zu einem Punkt, den ich wirklich nicht oft genug betonen kann: Der Übergang von der Bestechung zur Belohnung sollte so früh wie möglich erfolgen. Denn ein Hund, der sich erst einmal daran gewöhnt hat, dass in der Hand immer ein Leckerchen ist, wird auch immer darauf warten. Außerdem lernen Hunde aus der Bestechung nicht allzu viel. Sie folgen dem Leckerchen, aber sie denken nicht wirklich mit. Das ändert sich erst, wenn das Leckerchen aus der Hand verschwindet.

Wenn die Bestechung also gut funktioniert – wenn dein Hund dem Leckerchen in deiner Hand zuverlässig folgt und sich sicher neben dir hinsetzt – dann ist es Zeit für den nächsten Schritt. Du machst aus der Bestechung eine Belohnung.

Das Prinzip kennst du bereits: Du hast einfach kein Leckerchen mehr in der Hand. Aber Vorsicht – hier ist das Timing entscheidend. Wenn du den Übergang machst, solltest du die Distanz zunächst wieder etwas verkürzen. Vielleicht hast du deinen Hund mit Bestechung schon fünf Schritte geführt – beim Übergang zur Belohnung fängst du erst mal wieder bei drei Schritten an. Lieber sicher sein, als riskieren, dass dein Hund abbricht.

Und der Übergang selbst muss fließend passieren. Du übst ein paar Mal mit Leckerchen in der Hand – und direkt danach, ohne Pause, machst du denselben Ablauf mit leerer Hand. Die Hand bewegt sich genauso wie vorher, führt deinen Hund genauso neben dich her. Bevor dein Hund merkt, dass da gar kein Leckerchen drin ist, sagst du dein Lobwort. Dein Hund sitzt – und erst jetzt öffnet sich die Hand, wandert in die Tasche, holt ein Leckerchen heraus und gibt es dem Hund.

Dein Hund wird sich vielleicht kurz wundern: Na nu, da war ja gar nichts drin. Ist aber nicht schlimm – sein Leckerchen bekommt er ja trotzdem.

Wie viele Wiederholungen du mit Leckerchen brauchst, bevor du den Übergang wagst, hängt von deinem Hund ab. Manche kommen schon nach vier oder fünf Wiederholungen gut mit der leeren Hand zurecht, andere brauchen mehr. Beobachte deinen Hund genau und lass ihn das Tempo vorgeben.


Was du in dieser Phase noch beachten solltest

Es gibt zwei Dinge, die ich in dieser Phase immer wieder betone – weil sie so leicht vergessen werden und weil sie so wichtig sind.

Das erste: Deine eigene Aufmerksamkeit. Im Training verlangst du 100% von deinem Hund – aber das bedeutet auch, dass du selbst 100% dabei sein musst. Du beobachtest deinen Hund die ganze Zeit. Ist er noch in der richtigen Position? Ist er noch aufmerksam? Wann ist der ideale Moment für das Lobwort? Nur wenn du selbst aufmerksam bist, kannst du auch im richtigen Moment belohnen.

Das zweite: Nicht zu viele Schritte auf einmal verlangen. In dieser Phase geht es darum, das Verhalten zu festigen – nicht darum, möglichst lange Strecken zu laufen. Lieber kurze, erfolgreiche Sessions. Training braucht Zeit. Immer mit einem Erfolg aufhören.


← Zurück Teil 2: Das Signal „Seite" Weiter → Teil 4: Belohnung im Laufen

Zusammenfassung

Das Video zum Artikel – schau dir an, wie das in der Praxis aussieht. Und abonniere den Kanal, damit du kein Video verpasst.

▶ Zum YouTube-Kanal

je nach Hund.