Wir sind beim letzten Teil dieser Serie angekommen. In den ersten vier Teilen haben wir das Fußlaufen von Grund auf aufgebaut – von der ersten Bestechung über die Belohnung im Sitzen bis zur Belohnung im Laufen. Falls du die vorherigen Teile noch nicht gelesen hast, schau da unbedingt zuerst rein.
Heute geht es um zwei Dinge, die das Fußlaufen erst wirklich vollständig machen: Die Schwierigkeitssteigerung – und die Korrekturen.
Die Schwierigkeit steigern
Wenn das Fußlaufen in einer ruhigen Umgebung zuverlässig funktioniert – wenn dein Hund aufmerksam neben dir läuft, sich hinsetzt wenn du stehst, und sich von deinem Lobwort führen lässt – dann ist es Zeit, die Schwierigkeit zu erhöhen.
Und das passiert auf zwei Arten.
Die erste ist simpel: Du erhöhst die Distanz. Dein Hund muss für seine Belohnung immer etwas mehr arbeiten. Erst fünf Meter, dann zehn, dann zwanzig – und irgendwann lauft ihr eine ganze Straße entlang, bevor das Lobwort kommt. Du streckst den Abstand zwischen den Belohnungen immer weiter – genau wie beim Quotenplan.
Die zweite Art ist die Ablenkung. Zuerst übst du in der Wohnung oder auf einer ruhigen Fläche. Dann vielleicht im Garten. Dann auf einsamen Wegen. Dann auf belebteren Straßen. Andere Hunde, Jogger, Fahrräder, Kinder – all das kommt nach und nach dazu, immer in kleinen Schritten, immer nur so viel, wie dein Hund gerade eben so schafft.
Irgendwann schaust du deinen Hund nicht mehr an
Und jetzt kommen wir zu einer Steigerung, die viele zunächst überrascht – weil sie so kontraintuitiv klingt. Irgendwann hörst du auf, deinen Hund anzuschauen.
Am Anfang musst du ihn natürlich beobachten. Du schaust die ganze Zeit: Ist er noch in der richtigen Position? Ist er noch aufmerksam? Das ist in der Lernphase absolut notwendig.
Aber das Ziel ist ein anderes. Das Ziel ist, dass du als Hundehalter deinem Hund suggerierst: Ich habe alles im Griff. Mich kann nichts überraschen. Ich scanne die ganze Zeit die Umgebung, ich bin für dich da, du brauchst dich um nichts anderes zu kümmern als deine Aufgabe – nämlich Fuß zu laufen.
Und jetzt kommt noch einmal die perfekte Fußposition ins Spiel – und warum sie so genau definiert ist. Die Schulter des Hundes befindet sich auf Höhe deines Beins, der Kopf also leicht vor dir. Das bedeutet: Du kannst deinen Hund aus dem Augenwinkel heraus beobachten, ohne ihn direkt anzuschauen. Du siehst ob er noch da ist, wo er sein soll – und du siehst wann der richtige Moment für das Lobwort ist. Alles das, während dein Blick nach vorne geht und die Umgebung scannt.
Und noch etwas: Weil der Kopf deines Hundes leicht vor dir ist, kannst du dich in einer kritischen Situation ganz einfach vor ihn stellen. Du übernimmst die Verantwortung. Und dein Hund kann sich entspannen – weil sein Mensch die Sache im Griff hat.
Die vier Korrekturen
Und jetzt kommen wir zu dem Thema, das beim Fußlaufen unvermeidlich ist: die Korrekturen. Egal wie gut du trainierst – es wird Momente geben, in denen dein Hund die Fußposition verlässt. Und für diese Momente gibt es beim Fußlaufen vier Korrekturmöglichkeiten – in einer klaren Reihenfolge.
1. Das Ansprechen
Das ist die sanfteste und gleichzeitig die erste Möglichkeit. Du sprichst deinen Hund an – du rufst ihn beim Namen, schnalzt mit der Zunge oder machst ein anderes Geräusch. Du machst ihn passiv darauf aufmerksam: Achtung, überlege mal kurz, du machst hier gerade etwas falsch. Im besten Fall besinnt sich dein Hund von alleine und kommt ohne weitere Aufforderung zurück in die richtige Position. Das Ansprechen ist eine Korrektur – und Korrekturen werden nie belohnt.
2. Das Signal „Seite"
Wenn das Ansprechen nicht ausreicht, sagst du aktiv das Signal „Seite" und holst deinen Hund damit zurück in die Fußposition. Und hier ist der entscheidende Punkt: Wenn „Seite" als Korrektur eingesetzt wird, wird es nicht belohnt. Eine Korrektur ist eine Korrektur, egal wie sie aussieht.
3. Der Richtungswechsel
Wenn das Ansprechen versagt und auch das Signal „Seite" ignoriert wird – wenn dein Hund dir quasi sagt: Ja, ich habe gehört, aber ich muss kurz diese Blume untersuchen – dann nimmst du die Leine fest. Kein Leinenruck, kein Zurückziehen – du hältst sie einfach nur fest. Und dann gehst du in die Richtung, in die dein Hund gerade nicht gehen will. Du machst ihm klar: Sorry, aber du weißt gar nicht, wo ich hinwill. Du ziehst ihn hinter dir her – so lange, bis er wieder aufmerksam ist.
4. Das Blocken
Das Blocken ist die stärkste Korrektur – und ich bitte dich wirklich ausdrücklich darum, sie erst einzusetzen, wenn du die ersten drei Korrekturen bereits mindestens zwanzig Mal durchlaufen hast. Du stellst dich regelrecht vor deinen Hund in seinen Weg und gibst dabei gerne auch ein lautes Geräusch von dir. Dein Hund soll sich ruhig richtig erschrecken. Nutze diese Korrektur nur, wenn es absolut notwendig ist.
Korrekturen werden nie belohnt
Ich möchte diesen Punkt nochmal ganz deutlich sagen, weil er so leicht vergessen wird.
Das gilt auch für das Signal „Seite" als Korrektur. Auch wenn du dasselbe Signal am Anfang der Übungseinheit belohnt hast – wenn es jetzt als Korrektur eingesetzt wird, gibt es keine Belohnung.
Der Unterschied zwischen Belohnung und Korrektur liegt nicht im Signal selbst, sondern im Kontext. Und diesen Kontext musst du selbst im Blick behalten.
Zusammenfassung der ganzen Serie
- Fußlaufen ist ein präzise definierbares Verhalten – nur deshalb ist es trainierbar.
- Das Signal „Seite" hat zwei Funktionen: als Startsignal und als Korrektursignal (wobei es als Korrektur nicht belohnt wird).
- Das Fußlaufen wird in vier Schritten aufgebaut: Bestechung, Belohnung im Sitzen, Belohnung im Laufen, Korrekturen.
- Im Training verlangst du immer 100% – damit du im Alltag 80% bekommst.
- Das Lobwort kommt genau dann, wenn der Hund in der perfekten Position ist. Die Hand bleibt eisern, der Hund kommt zur Hand.
- Irgendwann schaust du deinen Hund nicht mehr direkt an, beobachtest ihn aber aus dem Augenwinkel – und übernimmst so sichtbar die Verantwortung.
- Es gibt vier Stufen von Korrekturen: Ansprechen, Signal „Seite", Richtungswechsel, Blocken. Alle vier sind Korrekturen – und werden niemals belohnt.
- Training braucht Zeit. Immer mit einem Erfolg aufhören.
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